Unterwasser-Lärmverschmutzung bedroht Wale und Delfine

Lärm ist das Geräusch der anderen….

so definierte es Tucholsky einmal und jeder von uns weiß, wie zutreffend dies ist wenn man unter dem Krach und Krawall anderer zu leiden hat. Wir schwärmen von einer Kultur der Stille, die wir gerne fernöstlichen Gesellschaften zuschreiben… die wir jedenfalls im Zweifel immer dort vermuten, wo wir selbst nicht sind. Unsere westlich-geprägte Gesellschaft denkt bislang kaum daran, Lärm ganz offiziell in die Kategorie der Umweltverschmutzung aufzunehmen.  Längst nicht hinreichend beobachtet und erforscht sind aus Lärm resultierende psycho-soziale Stressfaktoren und deren Auswirkung. Wenn wir uns akustisch nicht mehr orientieren können, weichen wir aus, beenden nach Vermögen, was Krach macht und nervt oder schalten auf Sicht-Orientierung um.

Wal

Das ist nicht jedem Lebewesen möglich. Unter Wasser gibt es kein Ausweichen, gibt es nicht eine einzige Möglichkeit, sich akustischem Terror zu entziehen.

So ungefähr wissen wir, dass Unterwasserlärm Wale und Delfine vertreibt, empfindlich stört und beeinträchtigt und in ihrer Welt der nachtdunklen tiefen Meere orientierungsunfähig macht, sie bisweilen tödlich stranden lässt.

Diese Erkenntnis kollidiert natürlich mit den Interessen beispielsweise von offshore-Windparkbetreibern; man war erleichtert über die Möglichkeiten „grüner Energiegewinnung“ durch Wind und hatte klare Image-Vorteile vor offshore-Erdölbohranlagen. Doch wie gravierend die Lärmverschmutzung unter Wasser sowohl beim Bau der Anlagen als auch beim normalen Betrieb der Windparks ist, wird seit spätestens 2011 mit über 200 Messstationen in der Ostsee erfasst. Mit diesem aktustischen monitoring werden Daten zur Entwicklung der Schweinswal-Populationen erhoben und die Ergebnisse sind niederschmetternd: Die Tiere weichen dem Krach eindeutig aus so gut es geht. Der Chef des Deutschen Meeresmuseums, Harald Benk, erklärt, dass nun endlich erstmals wissenschaftlich -exakte Daten vorliegen, die eindeutig das Schutzbedürfnis der Schweinswale in der Ostsee ausweisen. In den kommenden zwei Jahren soll nun der Bestand und das Wanderverhalten kartographiert werden und auf dieser Basis lässt sich dann um konstruktive Regelungen zum Schutz dieser Tierart kämpfen und argumentieren.

Warum genau wir uns um die Stille der Ozeane kümmern müssen, lässt sich in einigen Zahlen und Fakten darlegen:

Ab einer Tiefe von maximal 200 m lässt die Unterwasserwelt jede Lichteinstrahlung vermissen – es ist absolut finster! Während Landsäugetiere sich in der Regel hauptsächlich über das Sehvermögen orientieren, haben Wale zwei- bis dreimal soviel Hör- als Sehnerven und sind damit optimal an ihre Lebensverhältnisse angepasst, denn Wasser leitet Schallwellen um ein vielfaches besser als Luft: Im Wasser verbreitet sich Schall mit 1.550 m pro Sekunde – in der Luft nur mit rd. 340 m pro Sekunde.

Die Meeressäuger erzeugen sogenannten „Klicklaute“ und orientieren sich über das hieraus entstehende Echo welches von Felsen, Schiffen und Fischen reflektiert wird und ein genaues akustisches „Abbild“ der Umgebung liefert. Ein überlebenswichtiges Navigationssystem also. Auch die Suche nach Partnern läuft akustisch ab: Walrufe sind für Partner in über 1000 Kilometern Entfernung hörbar – die Tiere erzeugen tiefe Frequenzen weil diese über weitere Strecken hörbar sind, als hohe Frequenzen.

Leider liegt auch der Lärm von Schiffsmotoren im Tieffrequenzbereich bei 300 Hertz -und nicht wenige davon verursachen einen Lärmpegel von über 190 dB – dies gleicht dem aktustischen Terror dem unser Gehör ausgeliefert ist, wenn wir uns einen Meter neben einen startenden Düsenjet stellen!

Im Gegensatz zur Vernichtung nur langsam sich regenerierender habitate wie beispielsweise Posidonia oder zu erosionsbedingten Zerstörungen und zu chemischer Umweltverschmutzung haben wir es bei Lärmverschmutzung vergleichsweise leicht: Wir können ihn abschalten, er hinterlässt sofort keinen weiteren Schaden – es lohnt sich, in lärmarme Technologie zu investieren!

 

 

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